ART.FAIR

ART.FAIR 2014

Cadillac – Schaukel

Die von dem bekannten Fluxus-Künstler Wolff Vostell konzipierte und nach dessen Tod von Bernd Reiter im Jahre 1999 realisierte „ Cadillac – Schaukel“ wurde auf der ART.FAIR 2014 in Köln präsentiert.

Die „Cadillac-Schaukel“, bestehend aus einem schwarzen Cadillac, den Vostell selbst zuletzt gefahren hat, mit integrierten, insgesamt 33 Fernsehgeräten, hängt – einer Schiffschaukel gleich – an einer Stahlkonstruktion. Mittels besonderer Technik schaukelt dieses monströse Gefährt und wiegt die in den Monitoren ausgestrahlten „NEWS“ der Nachrichten aus aller Welt in seinem breiten Schoß.

In dieser Arbeit vereint Vostell wieder die beiden größten Entdeckungen unseres Jahrhunderts, das Auto und das Fernsehgerät, und lässt sie nebeneinander oder eher ineinander Position beziehen in einer für Vostells bisherigen künstlerischen Aussage grundsätzlich nicht gewollten und erforderlichen Ästhetik.

Halle 2.1 / Koelnmesse

DER REIZ DER INSZENIERUNG

Die Präsentation der 13 ausgewählten Exponate gibt eine Übersicht und einen Rückblick auf vergangene Ausstellungen und demonstriert die verschiedenen Aspekte zeitgenössischer plastischer Kunst.

Unterschiedliche Aspekte von „Dreidimensionaler Kunst“ begegnen uns in dieser Ausstellung, verschiedene Ideen und Ansätze. Die klassische Skulptur im Sinne von statischen Formen treffen wir bei Ansgar Nierhoff, Enrique Asensi, Rudolf Scholl und Jan Sliwka an. Materialien wie bearbeiteter Stahl, Stahl und Stein in Kombination, Holz sowie Aluminium sind hierbei bevorzugte Werkstoffe.

In den Skulpturen von Ansgar Nierhoff ist der Arbeitsprozess dem Material in deutlichen Spuren eingeschrieben und verleiht ihm überraschend neuartige Attribute, die dem Werkstoff ohne die spezifische Bearbeitungsform nicht sichtbar anhaften würden.

Enrique Asensi nutzt die Unterschiedlichkeit der Materialien Stein und Stahl und verbindet sie miteinander. Die Spuren seines Arbeitsprozesses sind in dem Material Stein sichtbar, die äußeren Einwirkungen im Material Stahl. Und das macht den Reiz seiner Skulpturen aus, nämlich die Kombination von rostigem Stahl und bearbeitetem Stein.

Rudolf Scholl´s Intention liegt in der scheinbaren Mobilität seiner Skulpturen. Mobilität als Ausdruck und Möglichkeit. Der Starrheit der einzelnen Formen setzt er durch deren Anordnung Beweglichkeit entgegen.

Der polnische Bildhauer Jan Sliwka schafft monumentale skulpturale Formen wie Obelisken, Pyramiden und voluminöse Grundformen verschiedener Größen aus Aluminium.

Bei manchen ausgestellten Werken lässt sich eine eindeutige Zuordnung der Begriffe „Skulptur“ und „Installation“ nicht mehr ausmachen, wie z.B. bei der Arbeit von Annette Sauermann. Die Grenzen verschwimmen. Es ist keine Skulptur im Sinne einer statischen, kompakten Form. Durch die Wahl der Materialien Betonplatten und Papierbahnen sowie der Inszenierung im Raum rückt die Definition in den Bereich der Installation.
Installationen, d.h. den Raum definierende, künstlerische Arrangements finden wir ebenso bei den Künstlern Max Scholz, Manuel Cholango und Tina Haase, wobei auch hier wieder die Wahl der Werkstoffe divergiert. Einfache Objekte des Alltags (Draht, Lichtleitkunststoff, Wolle) bei Tina Haase oder „konservierte“ Stofftiere bei Manuel Cholango werden zu beeindruckenden skulpturalen Gebilden und Rauminstallationen gestaltet. Irritation und Verführung, Faszination und Ablehnung wird zur beabsichtigten Intention.

Max Scholz „Flusslandschaft“ irritiert durch Widersprüchlichkeit. Ein mobiler Fluss wird auf Rädern durch eine stilisierte Landschaft gefahren. Der Künstler spielt mit der Wahrnehmung und Phantasie des Betrachters, verwirrt und stellt die gewohnte Ordnung auf den Kopf.

Die sogenannten Neuen Medien werden von Wolf Vostell, als einem der wichtigen Vertreter der Medienkunst, Costantino Ciervo, YangJuBang sowie Rani Marius le Prince, vertreten.
Costantino Ciervo Arbeit ist dagegen weniger spektakulär, aber dennoch nicht minder aussagekräftig. Er nutzt verschiedenartige Arbeitsmittel. Seine technisierten Objekte werden zu Medieninstallationen.

Er verwendet kleine Monitore, Videogeräte und diverses elektrotechnisches Zubehör, und – wie in der ausgestellten Arbeit - großformatige Fotos. Miteinander kombiniert und montiert entstehen seine komplexen, aber dennoch sehr ästhetischen Arbeiten, bei denen man mitunter einen Künstler vermutet, der Faszination seiner Materialien erlegen ist.

Bewegungsmelder und Lichtschranken machen seine Werke zu interaktiven Installationen.
Das Künstlerduo Insook Ju und Sukyun Yang – mit Künstlernamen YangJuBang – wagt noch einen Schritt mehr. Sie verlassen den realen Raum und digitalisieren ihre künstlerischen Ideen. Sie laden den Betrachter zu einem digitalen Rundgang durch ihren Wohn- und Arbeitsplatz ein.

Rani Marius Le Prince arbeitet mit der sinnlichen Wahrnehmung. Ihre Videoinstallation ist weniger technisiert, denn die Künstlerin verwendet herkömmliche Medien – Videobeamer, Leinwand und Ton. Die Arbeit hat ihren ganz besonderen Reiz durch ihre anschauliche und kontemplative Wirkung. „Im Zentrum der Installation steht die Videoprojektion eines Frauenaktes, der mit Milch übergossen wird und als einzige Lichtquelle den Raum erhellt. Die meditative Stimmung des leise bewegten Bildes wird immer wieder durch den Klang gesprochener, wissenschaftlicher Textpassagen unterbrochen.“ (Rani Marius Le Prince)
Eine etwas andere Rolle spielt die Arbeit von Thomas Baumgärtel. Er hat uns für die Ausstellung ein großformatiges Bild zur Verfügung gestellt. Der „Bananensprayer“ – als Performancekünstler- verweist mit diesem Bild auf eine geplante Aktion im Brandenburger Tor in Berlin, bei der er das geschichtsträchtige Bauwerk mit einer überdimensionierten Banane zieren möchte.

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