ANSGAR NIERHOFF

DAS SCHWERE UND DAS LEICHTE

SKULPTUREN – 21.09.- 01.11.2001

Der 1941 in Meschede geborene Künstler Ansgar Nierhoff zählt heute zu den bedeutenden deutschen Bildhauern der minimalistisch-konstruktivistischen Kunstrichtung.

Zu sehen sind insgesamt 11 Arbeiten aus überwiegend freiformgeschmiedetem Stahl der Jahre 1987 bis 2001, die in dieser Zusammenstellung und in einem solchen Umfeld noch nie gezeigt werden konnten. Die große Ausstellungshalle mit ihrem besonderen Charme und den Spuren der ca. 70 Jahre alten Gießerei bieten den idealen Rahmen einerseits für die raumgreifenden und raumfordernden Werke, andererseits für das Material Stahl. Die Produktpalette der Gießerei umfasste nämlich neben der Fabrikation von Glühgeräten aller Art die Herstellung von Retorten und Modellen aus Stahl. Somit kehrt der Geist des Industriezeitalters in Form der Kunst in dieses historische Ambiente zurück.

Beginnend in den 70er Jahren, schuf Nierhoff plastische Arbeiten aus Edelstahl in gestisch ausgeführter Materialdeformierung. Hiernach beschäftigte er sich überwiegend mit reliefartigen Faltungen und Entfaltungen aus gleichem Material. Seit den 80er Jahren konzentriert er sich auf minimalistisch - konstruktivistische Lösungen aus Stahl.

Kubische Formen, Kugeln, Quader und Stelen entstehen, die die Spuren des Schmiedehandwerks unweigerlich erkennen lassen. Durch Schmieden, Brennen, Recken, Stauchen, Prägen, Bohren, Sägen, Fräsen und Abschlagen nehmen seine gewichtigen Arbeiten Formen an. Die enge Verbundenheit mit den Arbeitsprozessen manifestiert sich zahlreich in seinen Werktiteln, die der Fachsprache der Schmiede entlehnt sind, z.B. Prägen - Einwickeln (1993), Prägung – Umformung (1997).

Nierhoffs Stahlskulpturen suchen den spannungsvollen, stets den Ausgleich anstrebenden Dialog. Sie setzen Akzente in der logischen Konzeption sowie Kontraste in der Umsetzung, mal wird Robustes Grazilem gegenübergestellt, mal Schweres – Leichtem. Neben bildhauerischen Solitären finden ebenso Außen- und Innenraum bezogene Environments Beachtung. Die formale Askese seiner Werke lädt zur visuellen Konzentration und zur sinnlichen Meditation ein. (Dr. Gerhard Kolberg: Geschmiedetes unter dem Kastanienbaum, in: Kölner Museums-Bulletin, 4/97)

Begleitend zur Ausstellung wird eine Zeitschrift mit aktuellen Fotos der Exponate aus der Ausstellungshalle veröffentlicht. Als Autoren wurden die langjährigen Kenner und Wegbegleiter des Nierhoff´schen Werkes, Prof. Lothar Romain ( Präsident der Hochschule der Bildenden Künste, Berlin), Dr. Gerhard Kolberg (Museum Ludwig, Köln) und Prof. Dr. Frank Günter Zehnder (Rheinisches Landesmuseum, Bonn) ausgewählt, die ausführlich über Nierhoff´s künstlerisches Schaffen referieren werden.

In vielen Städten, darunter in Köln, an vielen Orten und Plätzen verschiedener Topographie und Gestaltung hat der Bildhauer Ansgar Nierhoff, zahlreiche Skulpturen und skulpturale Environments realisiert.

VITA

Geboren am 01. Oktober 1941 in Meschede/Westfalen
Gestorben am 02. August 2010 in Köln
bis 1960 handwerkliche Berufsausbildung als Mauer
1964 Abitur Frankenberger Edertalschule
1964 – 1969 Kunstakademie Düsseldorf Meisterschüler von Norbert Kricke.
Weitere Lehrer waren Joseph Faßbender und der Kunsthistorikter Eduard Trier
1965 Umzug nach Köln wo er bis zu seinem Tod lebte und sein Atelier unterhielt.
1983 arbeitete Nierhoff zeitweise als Assistent von George Rickey in dessen New Yorker Atelier in New York City.
1986 Gastprofessor an der Gesamthochschule Kassel in Kassel
1988 - 2008 Ruf an die Akademie für bildende Kunst der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Leitung der Bildhauerklasse. 2008 wird er emeritiert.
02. August 2010 in Köln gestorben

AUSWAHL AUSSTELLUNGEN, AUSZEICHNUNGEN UND EHRUNGEN

1966 Stipendium der Poensgen-Stiftung, Düsseldorf
1968 erste Aussstellung Galerie Arte Intermedia, Köln
1968 Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Bildende Kunst; Deutscher Kunstpreis der Jugend, Mannheim
1969 Neue Galerie, Sammlung Ludwig, Aachen
1970 Villa-Romana-Preis und Studienaufenthalt in Florenz
1970 Villa-Massimo-Preis, Rom (das Stipendium nimmt er nicht wahr);
Wilhelm-Lehmbruck-Förderpreis der Stadt Duisburg
1971 im Rahmen des Symposium Urbanum in Nürnberg, erster Auftrag für eine Skulptur im öffentlichen Raum
1971 Museum Ulm
1972 Beziehungen + Bedingungen, Kunsthalle Köln
1972 Stipendium Cité Internationale des Arts, Paris
1973 Neue Galerie, Sammlung Ludwig, Aachen
1973 Kunstpreis Junger Westen, Recklinghausen
1975 Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg
1977 Teilnahme an der documenta 6 in Kassel
1983 Finden - Machen : Skulpturen, Projekte, Zeichnungen, Neuer Berliner Kunstverein, Orangerie des Schlosses Charlottenburg, Berlin (K)
1985 Skulpturen und Zeichnungen 1977-1985, Sprengel-Museum, Hannover; Kunsthalle Mannheim
1988/89 Eisenzeit, Saarland-Museum, Saarbrücken / Museum am Ostwall, Dortmund / Museum Moderne Kunst, Palais Lichtenstein, Wien
1997 Der Bildhauer als Zeichner, Museum Folkwang, Essen
1998 Rotation, Rheinisches Landesmuseum Bonn
2000 August-Macke-Preis der Stadt Meschede
2001 Das Schwere und das Leichte, kunstverein huerth e.V.
2003/2004 ...der Liebe, Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg
2004 Kunstpreis Rheinland-Pfalz für Bildhauerei
2006 Neues Museum in Weimar
2008 umFormen – umStellen, großen Doppelausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen im Kunsthaus Alte Mühle in Schmallenberg und im Museum der Stadt Berleburg, ergänzt durch fünf großformatige Stahlskulpturen im öffentlichen Raum. (Die beiden Orte sind durch den „WaldSkulpturenWeg Wittgenstein - Sauerland“ verbunden, auf dem sich Nierhoffs Arbeit „Kein leichtes Spiel“ befindet
2013 Kunst aus NRW in Aachen-Kornelimünster

© 2016 KUNSTVEREIN KOELN SÜD e.V.